Ratgeber

Kennzeichen behalten bei Umzug: Regeln, Kosten und Ausnahmen 2026

Sie ziehen um und wollen Ihr vertrautes Kennzeichen behalten? Seit 2015 ist die Kennzeichenmitnahme in ganz Deutschland erlaubt. Dieser Ratgeber erklärt, wann die Mitnahme klappt, wann nicht, was sie kostet und warum Sie Ihr Auto trotzdem ummelden müssen.

Kennzeichenmitnahme seit 2015: Die Gesetzeslage im Detail

Am 1. Januar 2015 trat eine Änderung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) in Kraft, die das deutsche Kennzeichenrecht grundlegend verändert hat. Seitdem können Fahrzeughalter ihr Kfz-Kennzeichen bei einem Umzug in einen anderen Zulassungsbezirk behalten. Vor 2015 war bei jedem Wechsel des Zulassungsbezirks ein neues Kennzeichen Pflicht. Heute können Sie mit einem Münchner Kennzeichen in Hamburg leben, mit einem Kölner Kennzeichen in Dresden arbeiten oder mit einem Berliner Kennzeichen in einen kleinen Landkreis in Bayern ziehen. Die Regelung kennt keine Einschränkungen bei der Entfernung: Ob Nachbarlandkreis oder gegenüberliegendes Ende der Republik, das Kennzeichen darf mit. Diese Freiheit hat für Millionen Halter spürbare Vorteile: weniger Bürokratie, weniger Kosten und keine emotionale Trennung vom gewohnten Kennzeichen.

Seit Oktober 2019 auch bei Halterwechsel

Seit dem 1. Oktober 2019 gilt die Kennzeichenmitnahme auch bei einem Halterwechsel im selben Zulassungsbezirk. Der neue Halter kann das vorhandene Kennzeichen übernehmen, zum Beispiel bei einem Privatverkauf, einer Schenkung oder einer Übertragung innerhalb der Familie.

Ummeldung bleibt trotz Kennzeichenmitnahme Pflicht

Kennzeichen behalten bedeutet nicht, dass Sie nach dem Umzug nichts tun müssen. Das ist das häufigste Missverständnis rund um die Kennzeichenmitnahme. Auch wenn sich am Kennzeichen nichts ändert, muss die Adresse in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) aktualisiert werden. Diese Pflicht ergibt sich aus der FZV und gilt für jeden Umzug, egal ob in den Nachbarort oder ans andere Ende Deutschlands. Die Frist dafür lautet unverzüglich, was die Behörden als maximal zwei Wochen nach dem Einzug interpretieren. Wer das versäumt, riskiert ein Verwarnungsgeld von 15 Euro. Bei langem Versäumnis steigt das Bußgeld auf bis zu 100 Euro. Zusätzlich kann eine veraltete Adresse in den Fahrzeugpapieren im Schadenfall zu Komplikationen mit der Kfz-Versicherung führen.

Verbreiteter Irrtum

Viele Halter denken: Ich behalte mein Kennzeichen, also muss ich nichts unternehmen. Das ist falsch. Die Adressaktualisierung in der Zulassungsbescheinigung Teil I ist auch bei Kennzeichenmitnahme verpflichtend. Die Polizei kann bei einer Verkehrskontrolle die veraltete Adresse beanstanden.

Schritt für Schritt: Ummeldung mit Kennzeichenmitnahme

Die Ummeldung mit Kennzeichenmitnahme ist der einfachste und günstigste Fall. Der gesamte Vorgang dauert am Schalter selten länger als zehn Minuten.

1

Termin bei der neuen Zulassungsstelle buchen

Buchen Sie online einen Termin bei der Zulassungsstelle Ihres neuen Wohnorts. Die alte Zulassungsstelle ist nach dem Umzug nicht mehr zuständig. In vielen Kommunen sind Termine innerhalb von ein bis zwei Wochen verfügbar.

2

Unterlagen mitnehmen

Sie brauchen: Personalausweis (mit neuer Adresse oder aktuelle Meldebescheinigung), Zulassungsbescheinigung Teil I und das SEPA-Lastschriftmandat für die Kfz-Steuer. Die Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief) wird bei reiner Kennzeichenmitnahme ohne Halterwechsel meistens nicht benötigt.

3

Adresse ändern lassen

Der Sachbearbeiter aktualisiert die Adresse in der Zulassungsbescheinigung Teil I. Die Stempelplaketten auf Ihrem Kennzeichen bleiben unverändert. Es wird kein neues Dokument ausgestellt, sondern die Änderung auf der bestehenden ZB I vermerkt.

4

Aktualisiertes Dokument mitnehmen

Sie erhalten Ihre Zulassungsbescheinigung Teil I mit der neuen Adresse zurück. Prüfen Sie die Eintragung auf Korrektheit. Danach fahren Sie mit Ihrem alten Kennzeichen weiter, als wäre nichts passiert.

Kostenvergleich: Kennzeichen behalten vs. neues Kennzeichen

Die Kennzeichenmitnahme ist die deutlich günstigere Option. Der Unterschied beträgt mindestens 30 Euro und kann bei einem Wunschkennzeichen noch höher ausfallen.

KostenpostenKennzeichen behaltenNeues Kennzeichen
Verwaltungsgebühr12 bis 17 Euro25 bis 30 Euro
Neue Kennzeichenschilder (Schilderpräger)0 Euro20 bis 35 Euro
Wunschkennzeichen (optional)entfällt12,80 Euro
Gesamtkosten12 bis 17 Euro50 bis 78 Euro

Ersparnis: mindestens 30 Euro

Wer sein Kennzeichen behält, spart gegenüber einem Kennzeichenwechsel mindestens 30 Euro an Verwaltungsgebühren und Schilderkosten. Dazu kommt die eingesparte Zeit: Kein Gang zum Schilderpräger, kein Montieren neuer Schilder.

Wann ist eine Kennzeichenmitnahme nicht möglich?

In bestimmten Situationen können Sie Ihr altes Kennzeichen nicht behalten. Diese Ausnahmen sollten Sie vor dem Umzug kennen, um Überraschungen am Schalter zu vermeiden.

  • Fahrzeug war zwischenzeitlich abgemeldet Wenn Ihr Auto zwischen dem Umzug und der Ummeldung abgemeldet wurde, erlischt die Zuteilung des Kennzeichens. Bei der Wiederzulassung erhalten Sie ein neues Kennzeichen. Sie können das alte Kennzeichen als Wunschkennzeichen reservieren, sofern es noch frei ist.
  • Kennzeichen ist beschädigt oder unleserlich Stark verblasste, verbogene oder anderweitig unleserliche Kennzeichen erfüllen die technischen Anforderungen nicht mehr. Die Zulassungsstelle kann den Austausch anordnen. In diesem Fall erhalten Sie neue Schilder, können aber die gleiche Kennzeichenkombination behalten.
  • Halterwechsel und neuer Halter will anderes Kennzeichen Bei einem Halterwechsel hat der neue Halter das Recht, ein anderes Kennzeichen zu wählen. Die Übernahme des alten Kennzeichens ist eine Option, kein Zwang.
  • Sonderkennzeichen Kurzzeitkennzeichen (gelb), rote Händlerkennzeichen (06er) und Ausfuhrkennzeichen können nicht mitgenommen oder übertragen werden. Diese Kennzeichenarten sind an einen bestimmten Zweck gebunden, nicht an ein Fahrzeug.
  • Fahrzeughalter ist ins Ausland verzogen Die Kennzeichenmitnahme gilt nur innerhalb Deutschlands. Wer ins Ausland umzieht, muss das Fahrzeug in Deutschland abmelden und im neuen Land zulassen.

Versicherung informieren: Pflicht auch bei Kennzeichenmitnahme

Der Wohnort ist ein zentrales Tarifmerkmal Ihrer Kfz-Versicherung. Jede Region in Deutschland wird einer Regionalklasse zugeordnet, die das statistische Unfallrisiko und die Diebstahlhäufigkeit widerspiegelt. Ein Umzug von einer ländlichen Region in eine Großstadt kann den jährlichen Versicherungsbeitrag um mehrere Hundert Euro erhöhen. Umgekehrt profitieren Sie von niedrigeren Beiträgen, wenn Sie in eine statistisch sicherere Region ziehen. Melden Sie den Umzug innerhalb von zwei Wochen bei Ihrer Versicherung. Die meisten Versicherer bieten ein Online-Formular oder eine App-Funktion dafür an. Eine neue eVB-Nummer brauchen Sie bei einer reinen Adressänderung ohne Halterwechsel nicht. Prüfen Sie nach der Meldung den nächsten Beitragsbescheid, um die Änderung der Regionalklasse zu sehen.

Kennzeichen reservieren: So sichern Sie sich Ihr Wunschkennzeichen

Falls Sie Ihr Kennzeichen doch wechseln möchten, zum Beispiel weil Sie sich mit dem neuen Wohnort identifizieren wollen, können Sie vorab ein Wunschkennzeichen reservieren. Die meisten Zulassungsstellen bieten die Online-Reservierung über ihre Website an. Die Reservierung kostet 2,60 Euro, die Zuteilung bei der Zulassungsstelle weitere 10,20 Euro, zusammen also 12,80 Euro. Die Reservierung ist in der Regel 90 Tage gültig. Falls Sie Ihr altes Kennzeichen nach einer Abmeldung behalten möchten, können Sie es bis zu 12 Monate reservieren lassen. Innerhalb dieser Frist kann niemand anderes die Kombination erhalten. Tipp: Prüfen Sie die Verfügbarkeit Ihres Wunschkennzeichens online, bevor Sie den Termin bei der Zulassungsstelle buchen.

Online-Ummeldung: Adresse digital ändern mit Zulio

Die reine Adressänderung mit Kennzeichenmitnahme lässt sich komplett digital erledigen. Das offizielle i-Kfz-Portal der Behörden setzt dafür die eID-PIN voraus, die viele Halter nicht kennen oder nie aktiviert haben. Zulio bietet einen einfacheren Weg: Ausweis fotografieren, Fahrzeugdaten eingeben, digital unterschreiben. Kein Kartenlesegerät, keine PIN, kein Behördentermin. Der gesamte Vorgang dauert rund fünf Minuten.

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