Ratgeber

Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse): Tabelle, Übertragung und Rückstufung

Die Schadenfreiheitsklasse ist der wichtigste Faktor für Ihren Kfz-Versicherungsbeitrag. Je länger Sie unfallfrei fahren, desto weniger zahlen Sie. Hier erfahren Sie, wie die SF-Klassen funktionieren, wie Sie sie übertragen und was bei einem Unfall passiert.

Was ist die Schadenfreiheitsklasse?

Die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) gibt an, wie viele Jahre Sie unfallfrei gefahren sind. Je mehr schadensfreie Jahre, desto höher die SF-Klasse und desto niedriger der Beitragssatz Ihrer Kfz-Versicherung. Die SF-Klasse wird in der Kfz-Haftpflicht und der Vollkasko geführt. In der Teilkasko gibt es keine SF-Klassen. Die Einstufung erfolgt pro Vertrag, nicht pro Person. Das heisst: Wenn Sie mehrere Fahrzeuge versichern, hat jedes eine eigene SF-Klasse. Mit jedem schadensfreien Kalenderjahr steigen Sie eine Klasse auf. Bei einem selbst verschuldeten Unfall werden Sie zurückgestuft.

SF-Klassen-Tabelle: Klasse, Jahre und Beitragssatz

Die folgende Tabelle zeigt die gängigsten SF-Klassen mit den typischen Beitragssätzen. Die exakten Prozentsätze variieren von Versicherer zu Versicherer.

SF-KlasseSchadensfreie JahreBeitragssatz (ca.)
SF M (Malus)Nach Rückstufung200 bis 280 %
SF 00 (Fahranfänger)200 bis 260 %
SF 1/2Erstvertrag / Zweitwagen100 bis 140 %
SF 11 Jahr100 bis 120 %
SF 22 Jahre85 bis 100 %
SF 33 Jahre70 bis 85 %
SF 55 Jahre55 bis 65 %
SF 1010 Jahre35 bis 45 %
SF 1515 Jahre30 bis 38 %
SF 2020 Jahre27 bis 33 %
SF 2525 Jahre24 bis 30 %
SF 35 und höher35+ Jahre20 bis 25 %

Beitragssatz ist nicht der Endbetrag

Der Beitragssatz wird auf den Grundbeitrag Ihres Tarifs angewendet. Beispiel: Bei einem Grundbeitrag von 500 Euro und SF 10 (40 %) zahlen Sie 200 Euro pro Jahr. Bei SF 0 (230 %) wären es 1.150 Euro für denselben Tarif.

SF-Klasse übertragen: So funktioniert es

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie eine Schadenfreiheitsklasse auf eine andere Person übertragen. Das ist besonders für Fahranfänger attraktiv, die dadurch deutlich niedrigere Beiträge zahlen.

  • Übertragung von Eltern auf Kinder Eltern können ihre SF-Klasse auf Kinder übertragen, wenn das Kind als regelmässiger Fahrer eingetragen war. Die Übertragung ist in der Regel unwiderruflich. Die übertragene SF-Klasse wird auf die tatsächlichen Führerscheinjahre des Kindes begrenzt.
  • Übertragung zwischen Ehepartnern Ehepartner können SF-Klassen untereinander übertragen. Bei Scheidung kann die SF-Klasse zurückgefordert werden.
  • Übertragung im Todesfall Die SF-Klasse eines Verstorbenen kann innerhalb von 12 Monaten auf Ehepartner, Kinder oder Enkel übertragen werden.
  • Mitnahme beim Versichererwechsel Beim Wechsel zu einem neuen Versicherer wird Ihre SF-Klasse automatisch übernommen. Der alte Versicherer stellt eine Bescheinigung aus.

Vor der Übertragung rechnen

Wenn Eltern ihre SF-Klasse übertragen, starten sie selbst wieder bei SF 0 oder SF 1/2. Berechnen Sie vorher, ob die Ersparnis beim Kind die Mehrkosten bei den Eltern übersteigt. Bei zwei Fahrzeugen in der Familie kann eine geschickte Verteilung der SF-Klassen die Gesamtkosten minimieren.

Rückstufung nach Unfall: Was passiert?

Bei einem selbst verschuldeten Unfall, den Sie der Versicherung melden, werden Sie in der Haftpflicht und Vollkasko zurückgestuft. Die Rückstufung erfolgt nach der Rückstufungstabelle Ihres Versicherers.

  • Typische Rückstufung in der Haftpflicht 5 bis 12 Klassen zurück. Beispiel: Von SF 10 auf SF 2 oder SF 3. Das bedeutet eine Verdopplung oder Verdreifachung der Prämie im Folgejahr.
  • Typische Rückstufung in der Vollkasko 3 bis 7 Klassen zurück. Die Rückstufung in der Vollkasko ist in der Regel milder als in der Haftpflicht.
  • Teilkasko keine Rückstufung In der Teilkasko gibt es keine SF-Klassen. Ein Teilkaskoschaden (z. B. Wildunfall, Diebstahl, Hagel) hat keinen Einfluss auf Ihre Einstufung.
  • Rabattschutz (Rabattretter) Viele Versicherer bieten einen Rabattschutz an, der die SF-Klasse bei einem Schaden pro Jahr schützt. Der Aufpreis liegt bei 10 bis 30 Euro pro Jahr und lohnt sich vor allem bei hohen SF-Klassen.

Schaden selbst zahlen statt melden?

Bei kleinen Schäden (unter 1.000 bis 2.000 Euro) kann es günstiger sein, den Schaden selbst zu bezahlen, statt ihn der Versicherung zu melden. Berechnen Sie den Mehrbeitrag durch die Rückstufung über die nächsten Jahre und vergleichen Sie ihn mit der Schadenhöhe.

SF-Klasse für Fahranfänger: So starten Sie

Fahranfänger starten in der Regel in SF 0 mit einem Beitragssatz von 200 bis 260 Prozent. Das macht die Kfz-Versicherung im ersten Jahr besonders teuer. Es gibt aber Möglichkeiten, die Einstufung zu verbessern.

  • SF-Klasse von den Eltern übertragen Wenn ein Elternteil eine hohe SF-Klasse hat und ein Fahrzeug abgibt, kann die SF-Klasse übertragen werden (begrenzt auf die Führerscheinjahre).
  • Zweitwagenregelung nutzen Wenn die Eltern das Fahrzeug als Zweitwagen versichern und den Fahranfänger als Fahrer eintragen, startet der Vertrag oft bei SF 1/2 statt bei SF 0.
  • Begleitetes Fahren anrechnen Einige Versicherer rechnen die Jahre des begleiteten Fahrens (ab 17) als schadensfreie Jahre an. Informieren Sie sich vor Vertragsabschluss.
  • Telematik-Tarife Manche Versicherer bieten Tarife mit einer Telematik-Box an, die das Fahrverhalten aufzeichnet. Vorausschauendes Fahren wird mit niedrigeren Beiträgen belohnt. Einsparung: bis zu 30 Prozent.

Häufig gestellte Fragen

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